Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wütet weiterhin im Sauerland und damit nur 65 Kilometer vom Kreis Warendorf entfernt. Ein ASP-Ausbruch hätte angesichts der großen Zahl schweinehaltender Betriebe in der Region extreme wirtschaftliche Folgen. Denn auch der vor- und nachgelagerte Bereich wie Düngemittelproduktion, Saatgutherstellung, Landtechnik und Lebensmittelproduktion wäre massiv betroffen. Deshalb ist es aus Sicht des Kreises unabdingbar, dass eine Verschleppung des Virus in den Kreis Warendorf verhindert wird.
Warum ein Eintrag in Betriebe besonders gefährlich wäre
Besonders muss ein Eintrag des Virus in landwirtschaftliche Betriebe vermieden werden. Denn dies würde strenge Vermarktungsbeschränkungen nach sich ziehen, die viele schweinehaltende Betriebe die Existenz kosten könnte.
ASP-Arbeitsgruppe im Kreis Warendorf seit 2017 aktiv
Um möglichst gut auf ein solches Szenario vorbereitet zu sein, trifft sich seit 2017 eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitenden des Kreises, der Landwirtschaftskammer, des WLV, der Kreisjägerschaft und einem Vertreter der Tierärzte in regelmäßigen Abständen. Ziel ist es, sich gegenseitig auf den aktuellsten Stand zu bringen, Abläufe zu verbessern und Probleme anzusprechen. Beim letzten Treffen Anfang Juni brachte der Leiter des Kreisveterinäramtes, Dr. Hubert Hemmis, alle Teilnehmenden auf den aktuellen Stand.
Bekämpfung im Sauerland ist ein Marathonlauf
Dr. Hemmis berichtete von der aufwändigen und schwierigen Bekämpfung der ASP im Sauerland. Der betroffene Bereich in den Kreisen Olpe, Hochsauerlandkreis und Siegen-Wittgenstein sei sehr waldreich, stark bergig und zerklüftet und weise zudem eine sehr hohe Wildschweinepopulation auf. Damit sei die Eindämmung schwierig. „Die Kollegen der Kreisveterinärämter und der Wildtierseuchenvorsorgegesellschaft (WSVG) leisten hervorragende Arbeit, aber die schwierigen Bedingungen im Sauer- und Siegerland machen die Aufgabe zu einem Marathonlauf", so Dr. Hemmis.
Aufruf an Landwirte: Biosicherheitsplan jetzt anstoßen
Einig war sich die Arbeitsgruppe, dass Landwirte jetzt aktiv werden und die Genehmigung der Biosicherheitspläne für ihre Betriebe durch das Veterinäramt anstreben sollen. Gemeinsam mit dem Kreisveterinäramt werden die baulichen und technischen Maßnahmen definiert, die einen Eintrag des Virus in einen Schweinebestand verhindern sollen. So lässt sich beispielsweise durch die Einfriedung des Betriebes und die Nutzung einer Hygieneschleuse vor dem Betreten des Stalles die Gefährdung der Schweine durch eine Viruseinschleppung wirksam verhindern.
Vorteile im Seuchenfall: Vermarktung weiterhin möglich
Werden die Maßnahmen umgesetzt, bescheinigt das Kreisveterinäramt die Biosicherheit des Betriebes. Zusammen mit weiteren Maßnahmen ermöglicht dies eine Vermarktung der Schweine auch dann, wenn das ASP-Virus bei Wildschweinen im Kreis Warendorf nachgewiesen sein sollte. Die Umsetzung schützt also nicht nur den Tierbestand, sondern hat im Seuchenfall auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile.
Dr. Hubert Hemmis versichert, dass das Kreisveterinäramt „pragmatisch an die Aufgabe herangeht" und gemeinsam mit den Landwirten nach praktikablen Lösungen sucht, die zum Betrieb passen. „Wir wollen nicht einfach eine Liste abhaken. Das Ergebnis muss stimmen", so der Leiter des Kreisveterinäramtes.
Appell an Jäger: Wildschweine beproben lassen
Auch die Jägerschaft ist in die Vorsorge eingebunden. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, Josef Roxel, appelliert an alle Jäger im Kreis Warendorf, jedes erlegte Wildschwein auf die ASP zu beproben und die Ergebnisse ans Kreisveterinäramt zu melden. Dr. Hemmis wies zudem darauf hin, dass es in Ahlen, Beckum, Ostbevern und Drensteinfurt (Davert) Konfiskat-Tonnen gibt, in denen Jäger den Aufbruch erlegter Wildschweine entsorgen können, damit dieser nicht in den Revieren belassen werden muss.












